Der Hund mit dem gelben Herzen oder Die Geschichte vom Gegenteil
Die 1955 in Westfalen geborene Autorin Jutta Richter veröffentlichte bereits als Schülerin ihr erstes Buch. Sie studierte katholische Theologie, Germanistik und Publizistik in Münster und lebt heute als freiberufliche Autorin auf Schloss Westerwinkel im Münsterland.
Für ihr umfangreiches kinder- und jugendliterarisches Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2001 und dem Hermann-Hesse-Stipendium für ihr Gesamtwerk. 2012 ist sie ausserdem erneut für den Astrid Lindgren Memorial Award, den weltweit bedeutendsten Kinder- und Jugendbuchpreis, nominiert.
Jutta Richters Geschichten erzählen in poetischen Bildern von existenziellen Themen, von Verlust und Sehnsucht, von Freundschaft und Verrat, von Gott und der Welt. Sie selbst sagt über ihr Schaffen: « Ich schreibe nicht für irgendeine Zielgruppe, sondern ich versuche poetisch zu denken und zu formulieren. »
Wegen der erzählerischen Vielfalt ihrer Geschichten sind in dieser Spielzeit gleich zwei Theateradaptionen ihrer Bücher am Jungen Schauspielhaus Zürich zu sehen: Das Gastspiel „Hinter dem Bahnhof liegt das Meer“ in der Regie von Enrico Beeler und die Schweizer Erstaufführung «Der Hund mit dem gelben Herzen oder Die Geschichte vom Gegenteil“ in einer Inszenierung von Phillippe Besson. Mit diesem Kinderroman, der mit Leichtigkeit und Feingefühl von der Erschaffung der Welt erzählt, gelang Jutta Richter unter anderem ihr literarischer Durchbruch.
Die Autorin erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise für ihre Kinderbücher, u.a. den Deutschen Jugendliteraturpreis 2001 für „Der Tag, als ich lernte die Spinnen zu zähmen“ und 2008 den amerikanischen Kinderliteraturpreis Mildred L. Batchelder Honor Book für „Die Katze oder Wie ich die Ewigkeit verloren habe“. Sie ist ausserdem für den Astrid Lindgren Memorial Award, den weltweit bedeutendsten Kinder- und Jugendbuchpreis 2012 nominiert. „Der Hund mit dem gelben Herzen oder Die Geschichte vom Gegenteil“ wurde für den internationalen UNESCO-Preis nominiert und gewann 2000 den Rattenfänger-Literaturpreis der Stadt Hameln. Im selben Jahr wurde ihre Bühnenadaption an der Schauburg München uraufgeführt.
Ab 9 Jahren
Regie Philippe Besson / Bühne und Kostüme Karoline Young / Musik Nicolas Dauwalder / Theaterpädagogik Caroline Ringeisen
Mit
Judith Cuénod, Oliver Krättli, Fabian Müller, Peter Zimmermann
| Lottamädchen | Judith Cuénod |
| Prinz Neumann | Fabian Müller |
| G. Ott/Hund | Oliver Krättli |
| Schauspieler | Peter Zimmermann |
| Regie | Philippe Besson |
| Bühne und Kostüme | Karoline Young |
| Musik | Nicolas Dauwalder |
| Theaterpädagogik | Caroline Ringeisen |
| Dramaturgie | Petra Fischer |
| Regieassistenz | Tina Bolzon |
| Praktikum Dramaturgie | Maja Bagat |
| Hospitanz Dramaturgie | Sinja Marie Krüger |
Lotta und ihr Bruder Prinz Neumann haben einen sprechenden Hund gefunden. Dass sie ihn behalten wollen, darf niemand wissen. Deshalb versorgen sie ihn im Schuppen mit Leberwurstbroten, Mandelkuchen, Hähnchenhaut und allem, was das Hundeherz begehrt. So ein Zuhause hat sich der Hund schon lange gewünscht. Als Gegenleistung für Streicheleinheiten und Sicherheit beginnt er, den Kindern die Geschichte vom grossen Erfinder G. Ott und Lobkowitz, seinem besten Freund, zu erzählen. Eine Geschichte über das Suchen, Finden und Erfinden, über Freundschaft, Geborgenheit und Verrat – über Gott und die Welt.
Jutta Richter hat aus ihrem erfolgreichen Kinderbuch ein ebenso beeindruckendes und poetisches Theaterstück für Kinder gemacht. Der Regisseur Philippe Besson, der in der vergangenen Spielzeit das Familienstück „Dornröschen oder das Märchen vom Erwachen“ im Pfauen inszeniert hat, arbeitete erstmals in der Matchbox.
„Wir müssen es teilen, das Glück. Das Leben, das Licht, die Freude, den Frieden, das müssen wir teilen“, sagt G. Ott, nachdem er Fische und Vögel, Schafe und Schnecken, Himmel und Erde erfunden hatte. Bei all diesen Schöpfungen war G. Otts Freund Lobkowitz der, der vor Ungeduld und Ideen zu platzen schien und G. Ott inspirierte. Es hätte kein Licht gegeben, wenn Lobkowitz sich nicht das Gegenteil zur Finsternis gewünscht hätte. Doch dass auch Teilen ein Gegenteil hat, ist eine traurige Lektion, die der grossartige Erfinder G. Ott und Lobkowitz machen. Denn die Freunde, die sie sich als Abbild schaffen wollten, sind derbe, dreiste Kerle ohne Anstand, die G. Ott verhöhnen. Sie werden aus dem paradiesischen Garten vertrieben. Lobkowitz soll ihnen Vernunft beibringen, und erst wenn sie wissen, was Recht und Unrecht ist, darf er zurückkehren. Es wird eine lange Reise werden, auf der er immerhin dem Hund begegnet – dem Hund, der kurz darauf von Lotta ausgehungert und müde im Wald gefunden und mit nach Hause zu ihrem Bruder Prinz Neumann genommen wird.
Und um nicht mehr allein zu sein und von Lotta und Prinz Neumann mit Leberwurstbroten, Mandelkuchen und knuspriger Hähnchenhaut versorgt zu werden, teilt er seine Geschichten von den Begegnung mit G. Ott und Lobkowitz. Und die Kinder teilen all die Leckereien, um von dem Hund erzählt zu bekommen, hungrig nach dem, was noch geschah. Nachts muss der Hund dann mehr teilen, als ihm lieb ist: Für seinen Schlafplatz im Schuppen muss er den Ratten als Miete die knusprig gebratene Hähnchenhaut geben, die er doch so gern alleine fressen würde. Aber für ein Dach über dem Kopf und Geborgenheit ist das kein Preis.
„Er ist schwarz, schlappohrig und schaurig, Oliver Krättlis Hund, der sich da wie ein Zombie auf die Bühne der Matchbox schiebt. Lotta und ihr kleiner Bruder (eine spielfreudige Judith Cuénod … und der wie immer energiegeladene Fabian Müller) trauen sich daher anfangs kaum, das Tier zu berühren. Doch als der Hund sich für die Pflege mit Geschichten revanchiert, hängen sie bald staunend an seinen Lefzen. … Die nächtlichen Kämpfe mit einer Horde Ratten, die der Hund durchstehen muss, nutzt Besson für ein grossartiges Gruseltheater: Der starke Effekt wird mit einfachsten Mitteln erreicht; und als endlich eine bös-gute Katze rauchend, mit Killerpumps und weissem Pelz rettend eingreift, sind alle Kinder hin und weg.“ Tages-Anzeiger
„Die Inszenierung von Jutta Richters Roman, ausgezeichnet mit dem Jugendliteraturpreis, bietet ein verschachteltes, komplexes Erzähltheater. … Ein poetisches Stück über Freundschaft, das Suchen und die Unvollkommenheit.“ Tagblatt der Stadt Zürich
„Kunstvoll verschränkt Philippe Besson die beiden Ebenen, die beiden Geschichten. Jene mit Lotta und dem Prinzen, die von Judith Cuénod und Fabian Müller als neugierige, natürliche, sympathische junge Menschenkinder überzeugend gespielt werden. Auf der andern Ebene, in der andern Geschichte sind es Peter Zimmermann als Lobkowitz und Oliver Krättli als Hund und als Gott, die ihren Part voll Dramatik und mit viel Körpereinsatz zum Besten geben.“ seniorweb.ch
Premiere am 25. Februar 2012
Vorerst zum letzten Mal am 17. März 2012
Unsere Praktikantin Sinja hat regelmässig auf students.ch einen Blog über die Proben zum Stück geschrieben. Dort erfahrt Ihr alles über den Hund, die Schauspieler, G.Ott und die Arbeit hinter den Kulissen.


